Aktuell

Auf dem Läbihusdach tut sich einiges. Adular heisst unser neuer Untermieter. Seit sechs Wochen bewohnt er den Horst, für den wir vor sechs Jahren die Unterlage montiert haben. Wir haben nicht mehr angenommen, dass noch mal ein Storch im Läbihus ankommt. Und nun ist das lang ersehnte Ereignis doch noch eingetreten. Freude herrscht.

Lange hat sich Adular, sehr zu unserem Leidwesen, nicht um Nachwuchs gekümmert. Er hat zwar immer wieder am Horst rumgebastelt. Etwas unbedarft, wie uns schien. Immer wieder tauchten Störche auf. Weil wir nicht wussten wer eine Sie oder wer ein Er ist, konnten wir das Geschehen zwar beobachten, aber nicht deuten. Ging es um die Besetzung der zweiten Unterlage für einen neuen Horst, den wir vor drei Wochen montiert haben, um Paarungsrituale, oder um beides? Die Auseinandersetzungen waren jedenfalls heftig und lautstark.

Natürlich hofften wir, dass sich Adular endlich für eine Partnerin entscheiden würde. Der liess sich Zeit. Unerfahrenheit, zu hohe Ansprüche, Angst vor der Verantwortung, die eine Familiengründung  mit sich bringen würde? Wir wissen es nicht. Noch nicht! Wir sind lernfähig. Schon können wir Unterschiede im Storchengeklapper wahrnehmen und vielleicht auch bald verstehen, was sie zu bedeuten haben.

Seit letzten Sonntag ist es so weit. Stundenlange Rituale, Paarung in aller Öffentlichkeit unter den Augen von Kindern. Ts, Ts Ts…
Und die vergangene Nacht haben beide zusammen im Horst verbracht. Stehend nach dem ereignisreichen Sonntag. Eine beachtliche Leistung, würden wir meinen. Was bei denen so Brauch ist, wissen wir eben auch nicht. Noch nicht. Völlig normale Hochzeitsnacht vielleicht?
Während ich am schreiben bin, sind die Beiden sehr zärtlich, richtig verliebt, putzen sich gegenseitig ihr Gefieder. Endlich können wir sie auch als Frau und Mann erkennen. Er: wenig grösser und umfangreicher, bodenständiger. (tönt bei Störchen etwas seltsam, zugegeben)  Sie: eher etwas schmächtig und – das bilden wir uns halt einfach ein – graziler und irgendwie gebildeter. Sie heisst Amelie.

Für Nachwuchs ist es wohl zu spät. Mitte August geht es bereits auf die grosse Reise und die Jungstörche, sie fliegen allein ohne ihre Eltern, müssten flugtüchtig sein.
Also hoffen wir auf die Rückkehr der Alten im kommenden Frühjahr. Die Jungen bleiben drei bis vier Jahre  in ihrem Winterquartier.
Und da wird, was bis hier her eher leicht und unbedarft klingt, sozusagen als Heiratsanzeige – klingen soll! – eher wieder ernst. Von zehn, dieser wunderbaren Flugartisten, überleben nur zwei bis drei die lange Hin- und Rückreise. Immer weniger Feuchtgebiete, das heisst immer weniger dringend benötigter Reiseproviant, Immer mehr Pestizide, Stromleitungen ohne Vogelschutzmassnahmen, und Sendemaste. Der Storchenbestand nimmt in Europa kontinuierlich ab. In der Schweiz hat er erfreulicherweise zugenommen. Vielleicht können wir einen kleinen Beitrag leisten, damit das so bleibt.
Ansonsten leisten wir bei der Ausbeutung der Natur, wie immer auch hier ganze Arbeit…